Reisebericht Indienreise März 2009

Indienreise vom 07.03. bis 16.03.2009


Liebe Indienfreunde

Meine vierte Indienreise liegt hinter mir. Sie war wieder spannend, und ich habe wiederum viel erlebt und gesehen.
Das herzliche Wiedersehen mit Sr. Hilary war einer von vielen emotionalen Momenten, die ich während diesen kapp 10 Tagen erleben durfte. Wir hatten uns viel zu erzählen, und wir genossen die Zeit sehr.
In Mysore und in Belgaum war ich je drei Tage. Gerne berichte ich Ihnen, was ich vor Ort angetroffen habe:

Karunalaya Hospital Mysore

Bei meinem letzten Besuch 2002 logierte ich zusammen mit den Schwestern in einem alten umgebauten Hühnerstall; das ganze Areal war überwuchert mit Gras und Unkraut. Es gab Schlangen zu Hauf und damals begann Sr. Hilary erstmals das Land zu roden und bewohnbar zu machen.
Nun befinden sich auf dem Gelände mehrere Gebäude. Das eigentliche Spital und das Konvent (Kloster) wurden neu gebaut. Ein anderes Gebäude wurde renoviert und zu einer Wohn- und Schlafstätte für die 39 behinderten Menschen umgebaut. (mehr dazu später in diesem Schreiben)
Das Spital besteht aus folgenden Räumen: Konsultationsraum, Behandlungsraum, (hier werden Injektionen und Verbände gemacht), Röntgen, Labor, Apotheke mit einem kleinen Büro mit Computer, um die schriftliche Korrespondenz zu erledigen, einem Zimmer mit Ultraschallgerät, sowie einem Raum mit vier Betten.
Im letztgenannten Zimmer werden Patienten für Infusionen oder zur Überwachung aufgenommen, die dann in den meisten Fällen das Spital am Abend wieder verlassen. Zurzeit ist das Karunalaya Hospital ein Ambulatorium. Gynäkologische Fälle wie Geburten, Keiserschnitte, sowie Patienten für Notfalloperationen müssen in andere Spitäler nach Mysore geschickt werden. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Pro Tag fällt für mindestens 12 Stunden der Strom aus und dies zu unbestimmten Zeiten. Die medizinische Versorgung kann somit gar nicht ununterbrochen gewährleistet werden. Ein Generator ist also die nächste Anschaffung die Sr. Hilary machen sollte. Zudem muss sie das Gebäude ausbauen um Patienten auch stationär aufnehmen zu können.
In einem Jahr wird dort Schwester Sintu ihren Dienst als Ärztin antreten. Sie ist als Gynäkologin ausgebildet. Zum jetzigen Zeitpunkt arbeitet Dr. Rajini dort. Er ist Mediziner und hat einen Abschluss als Psychologe. Sr. Hilary und Dr. Rajini ergänzen sich sehr gut. Zum weiteren Personal gehören die Krankenschwester Sr. Anie, die auch für die Apotheke zuständig ist; eine auszubildende Krankenschwester, welche ein 3-monatiges Praktikum absolviert; eine Schwester, welche den Empfang macht und den ambulanten Patienten die Karteikarten für den Untersuch aushändigt.
Der ganze Ablauf ist gut organisiert.
Zu den Praktikantinnen ist zu erwähnen, dass die Spitäler Shimoga (dort befindet sich das Ausbildungszentrum) und Belgaum gegenseitig Praktikumsplätze anbieten. So hat jedes Spital Hilfskräfte die wenig kosten aber sehr viel lernen können.
Mehr Personal kann sich das Spital finanziell nicht leisten. Darum wird jede Person überall eingesetzt.
Es ist also noch viel zu tun.

Nun noch ein paar Worte zu den 39 behinderten Menschen, die sich im Karunalaya Hospital befinden. Immer wieder sieht Sr. Hilary auf der Strasse Menschen, die behindert und ausgestossen sind. Sie nimmt sie auf, gibt ihnen saubere Kleider und zu Essen, sowie eine Schlafstätte. Die meisten wissen nicht mehr von wo sie kommen. Sie erlitten Traumas oder sind ganz einfach verstossen worden. Sr. Hilary hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen ein Zuhause zu geben und sie zu betreuen. Sie alle benötigen medizinische Hilfe.
Sr. Hilary braucht im Monat bloss für Medikamente 10 000 Rupien (ca. 220 Fr.) Für indische Verhältnisse eine riesige Summe. Dazu kommen Essen und Kleider oder sonstige Kleinigkeiten.
Einige der Bewohner werden für kleinere Putzarbeiten im Spital oder für Arbeiten auf dem Feld eingesetzt. So werden sie beschäftigt und haben etwas Bewegung. Wir können dieses Gebäude auch als kleine psychiatrische Station bezeichnen. Um diesen Menschen mehr Bewegungsfreiheiten zu geben, soll das Spitalareal durch eine Mauer abgegrenzt werden und ein Portier soll das Areal überwachen. Ein Teil des Spendengeldes wird für dieses Projekt verwendet.




Cardinal Gracias Hospital Belgaum

Drei Tage verbrachte ich in Belgaum mit Sr. Tessy. Die Dimensionen dort sind um einiges grösser geworden als in Nanjangud bei Sr. Hilary.
Ein Teil des oberen Stockwerkes wird nun als Hospiz für AIDS-Patienten genutzt. In diesem Trakt befanden sich zu diesem Zeitpunkt 15 Menschen. Einer ist noch am selben Abend gestorben. Die Kranken kommen meist erst im Endstadium ins Hospiz. Manche haben sich mit irgendwelchen anderen Krankheiten angesteckt, die den Ausbruch von Aids beschleunigen und gar zum Tod führen.
In Indien sind Medikamente für AIDS-, Lepra- und Tuberkulose-Patienten vom Staat finanziert. Müssen die Kranken aber ins Spital, wird deren Aufenthalt nicht bezahlt. Immerhin, die teuren Medikamente können die Patienten kostenlos beziehen.
Um solche Medikamente abgeben zu können, müssen vom Staat vorgeschriebene Richtlinien erfüllt werden. Hygiene- und Desinfektionsregelungen müssen eingehalten werden, die Kranken müssen in separaten Räumen untergebracht werden und vieles mehr.
Wie bei uns müssen von den Lohnkosten der Angestellten Sozialabgaben entrichtet und auf ein separates Konto einbezahlt werden. All dies nimmt Sr. Tessy zurzeit recht in Anspruch. Die Anerkennung des Spitals durch den Staat erleichtert immerhin vieles.
Im Gegensatz zu Mysore werden neben ambulanten auch stationäre Patienten betreut. Täglich sind es zwischen 60 und 70 Patienten. Das Spital beschäftigt 20 Angestellte. Sr. Anie ist Ärztin und seit drei Jahren im Spital tätig. Zusätzlich kommt morgens noch eine Ärztin aus dem benachbarten Dorf. Operationen werden meistens notfallmässig gemacht, dann kommt entweder ein Gynäkologe oder ein Chirurg mit einem Anästhesisten und übernimmt die Operation. Diese werden dann direkt bezahlt. Jeden Samstag kommt ein Radiologe ins Spital und macht Ultraschall, vor allem bei den schwangeren Patientinnen. An diesem Samstag waren es 46 Schwangere und 3 stationäre Patienten.
Es gibt immer wieder Fälle, wo sich Patienten diese Operationen nicht leisten können. Dann übernimmt das Spital die Kosten, was nicht immer leicht ist. Oft fehlt dann das Geld an einem anderen Ort.
Da das Spital auch von anderen Organisationen Gelder bekommt, können viele Projekte realisiert werden. Zurzeit wird ein Gebäude zu einem Personalhaus umgebaut.
Das von uns gespendete Geld wird Sr. Tessy zum Teil für Notsituationen, wie vorhin beschrieben, verwenden.


Einige Zahlen:

  • Der Chirurg erhält pro Operation 2500 Rupien (ca. Fr. 55.-)
  • Der Anästhesist bekommt pro Operation 1000 Rupien (Fr. 22.-)
  • Für Essen und Kleidung benötigt Sr. Hilary ca. 60 Rupien (Fr. 1.50) pro Tag

Wie Sie sehen, können wir mit wenig viel bewirken. In diesem Sinne schliesse ich meinen Bericht. Es gäbe noch viel zu erzählen, aber das würde den Rahmen sprengen.
Ich danke Ihnen nochmals im Namen von Sr. Hilary und Sr. Tessy herzlich für Ihre Spende. Falls Sie mehr wissen möchten, melden Sie sich doch bitte bei mir.

                    
Sr. Hilary, Fr. Cyrill und Sr. Tessy                         Sr. Dr. Anie bei ihrer Arbeit


Projekt Spitäler Belgaum/Mysore
PC-Konto 90-753232-5


Mit lieben Grüssen
Jolanda Oberholzer